Was Pro-Fotografen von “Kameraträgern” unterscheidet

August 23, 2008 | Filed Under 2008, Alles, Text 

Ruth Eichhorn sagt im Interview in “Global, lokal, digital - Fotojournalismus heute” (Inhaltsverzeichnis), dass Amateure oft nur durch Zufall ein gutes Einzelbild abliefern, aber die kunstvoll erzählte Geschichte eben das ist, was den Fotoreporter vom Amateur, sie nennt ihn “Kameraträger”, unterscheidet.

Kameraträger klingt hart, aber wenn man bedenkt, wie schwer der gewachsene Amateurmarkt der Branche der Pro-Fotografen zu schaffen macht, doch verständlich. Auf flickr findet man eine unglaubliche Menge passabler Bilder und auf Seiten wie augenzeuge können auch Kameraträger Bildjournalisten Konkurrenz machen. Die Branche krankt, heute hatte ich z.B. einen Bildband von bilderberg in der Hand - nicht der gleichnamigen, oft geheimgehaltenen Konferenz, sondern der Bildagentur, welche im März Insolvenz anmelden musste.

Gibt es Möglichkeiten, dem fortgeschrittenen Trend zur Amateurkonkurrenz Konter zu geben? Idealerweise sollten sich Amateure an das halten, was der Joker (in einem zugegeben nur bedingt passenden Zusammenhang) im neuen Batman sagt: “Wenn du etwas gut kannst, mach es niemals umsonst”. Und dies zu marktüblichen Preisen.

Comments

3 Responses to “Was Pro-Fotografen von “Kameraträgern” unterscheidet”

  1. Uwe Mayer on August 23rd, 2008 13:58

    Die Haare an denen mancher Fotoreporter seine Alleinstellungsmerkmale heranzieht werden immer länger und brüchiger.
    Da wird ohne Bedenken der Fotoamateur mit dem Fotoreporter verglichen, das ’schöne Bild’ mit der Fotoreportage. Wer hinter ‘dem Bild’ her ist will etwas anderes, als derjenige der an einem Essay arbeitet.

    Wenn das Gros der ‘Pro-Fotografen’ genauso gut performt wie die größer werdende Zahl begabter Fotoamateure - dann sieht es wahrlich schlecht für die Zunft aus.
    Da wird mit viel Häme und Gejammere übertönt das viele Berufsfotografen sich der verändernden Welt nicht angepasst haben, vielen die Kundenorientierung immer noch große Probleme bereitet und reine Technikbeherrschung heute nicht mehr ausreicht im sich von der Masse abzuheben.
    Von Zeit zu Zeit wird dann neben dem allgemeinen Sittenverfall auch noch betrauert das jenes uns deutschen so vertraute kulturelle Verständnis abhanden komme.

    Mann, wie mir dieses Selbstmitleid zum Halse raus hängt …

  2. Sonja on August 23rd, 2008 14:18

    Was mir auffällt ist, dass in den U.S. die Bildjournalisten deutlich dabei sind, sich weiterzubilden, um neue Kundenwünsche von Online-Medien (wie etwa Videos) auch erfüllen zu können.

    Ob hier in D an alten Gegebenheiten festgehalten wird, obwohl die Situation sich nun mal ändert, vermag ich nicht zu beurteilen. Das Menschen im Hobby vorzeigbare Ergebnisse abliefern, daran wird sich jedenfalls bestimmt nicht ändern.

    Ich wundere mich immer, wenn neue Studiengänge zum Bildjournalismus entstehen. Für die Masse an Absolventen wird es ja wahrscheinlich nach dem interessanten Studium keinen Job geben…

  3. Herr K. on September 8th, 2008 12:10

    Also es ist schon irgendwie richtig, dass ein erfahrener Bildjournalist bessere Bilder abliefert als ein Amateur und dass er auf hohem Niveau konstantere Ergebnisse liefert als ein Knipser.
    Es ist leider so, dass alle Welt nach 5 Minuten Ruhm giert, lieber also BLÖD-Leserreporter als aufmerksamer Leser.

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